Am Wegrand lauern Ritter und Geister

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Mit der Einweihung des Sagenwegs erwacht in Reigoldswil eine Idee, die Jahre geschlummert hat

Um die Ruine Rifenstein ranken sich seit Jahrhunderten witzige und gruselige Geschichten. Auf dem Sagenweg werden sie lebendig.

Immer und immer wieder wurden sie erzählt › sie wurden geschmückt, garniert und geschliffen, bis sie niedergeschrieben wurden. Mit dem Sagenbuch von Paul Suter und Eduard Strübin nahmen die Oberbaselbieter Erzählungen 1976 erstmals konkrete Formen an, nun sollen in Reigoldswil einige davon erlebbar gemacht werden.

Anlässlich des Reigoldswiler Ruinenfests am 22. und 23. August dieses Jahres soll um die Ruine Rifenstein herum ein Sagenweg entstehen. Auf einer Strecke von etwa einem Kilometer wird man nach dem «Museum zum Feld» eintauchen können in die Welt der alten Legenden: «Es wird ein aufregendes Erlebnis für die ganze Familie werden», freut sich Daniel Tschopp, der im Reigoldswiler Gemeinderat für Kultur zuständig ist. Alle hundert Meter wird auf dem Rundgang eine Figur aus Stahlblech stehen: Die bis zu 2,70 Meter grossen Helden werden auf Tafeln von ihren früheren Machenschaften erzählen.

Die Rifenstein-Jumpfere, die niesenden Geister von Rifenstein oder der böse Dietrich werden einiges zu berichten haben von vergangenen Zeiten. Wer sich traut, kann auf dem Weg vorbei an den Figuren auch über eine wacklige Hängebrücke balancieren: Der Sage nach führte vor langer Zeit eine Hängebrücke vom Tal zum gegenüberliegenden Felskopf: «Unvorstellbar weit», findet Tschopp.

Die Idee für das Projekt hat «lange geschlummert», wie Tschopp erklärt. Schon vor sechs Jahren habe sich der Initiant des Sagenwegs, sein Vater Roland Tschopp, an die Sekundarschule gewendet und sich mit einem Projektvorschlag eingebracht. Die Schüler sollten die Figuren der Rifensteinsagen nach eigenen Vorstellungen zeichnen und beschreiben.

Überrascht von der Begeisterung und den Ergebnissen entstand die Idee, die Legenden auch für die Öffentlichkeit greifbar zu machen. «Die Sponsorensuche gestaltete sich relativ einfach, da die Idee von Anfang an auf Wohlwollen stiess», stellt Daniel Tschopp rückblickend fest.

Von der Bevölkerung habe er bisher nur Gutes gehört. Dazu beigetragen hat wohl auch der Umstand, dass die Kosten überschaubar sind. Auf rund 25 000 Franken beziffert der Gemeinderat den finanziellen Rahmen; 10 000 hat der Kanton bezahlt, der Rest wurde von Stiftungen, Vereinen, Gönnern und der Einwohnergemeinde Reigoldswil aufgebracht.

Mit dem Sagenweg erhofft sich die Gemeinde Reigoldswil eine weitere Aufwertung des Naherholungsgebietes im Oberbaselbiet: «Der ganzjährig begehbare Weg soll Sonntagsausflügler, aber auch Schulklassen und Kindergärtner nach Reigoldswil locken», so Tschopp.

Titterten plant Verlängerung

Zusätzlich könnte man in naher Zukunft auf Hilfe aus dem Nachbardorf zählen. Titterten plant, in den nächsten zwei bis drei Jahren einen Erlebnisweg zu bauen, den die Besucher direkt im Anschluss an den Sagenweg begehen könnten. «Und gerne anschliessend noch ein Bier in der Dorfspelunke trinken», wie Tschopp mit einem Lachen hinzufügt.

  Quelle: Leif Simonsen - BZ | Freitag, 3. April 2009


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