Gaukler, Barden und Ritter

admin

In Reigoldswil gibts ein Ruinenfest mit Historienspektakel, Turnier und Mittelaltermarkt

Edle Ritter werden um die Ehre kämpfen, Köchinnen mittelalterliche Fastfood-Alternativen anbieten, Handwerker ihre Körbe oder frisch geschmiedeten Messer feilhalten: Reigoldswil will mit seinem Ruinenfest in der Nordwestschweiz ein Mittelalterspektakel etablieren.

Ritterturnier

Und es wird sich begeben am Ende der dritten Woche des Erntemonats anno domini 2009, dass sich in Reigoldswil auf dem Felde zu Füssen des Burgfelsens deren zu Riefensteyn die Ritter der schwarzen Lanze treffen. Sie werden ihren prächtigen Schlachtrossen die Sporen geben und mit all ihrem Muth gegeneynander anreiten, die Lanzen gesenkt, um den Gegner aus dem Sattel zu stossen und so die Gunst einer edlen Jungfrau aus dem Fünflibertal zu erringen.

«Wir rechnen mit rund 5000 Besuchern», erklärt Daniel Tschopp, der im Gemeinderat Reigoldswil für Kultur zuständig ist. Dass schlechtes Wetter dem erstmals stattfindenden Ruinenfest am Wochenende vom 22./23. August einen Strich durch die Rechnung machen könnte, fürchtet er nicht: «Im Mittelalter hats auch geregnet, und dann wirds halt authentisch dreckig.»
Kein Festzelt mit PVC-Planen und Aluminiumgestänge würde nämlich nicht in die Kulisse passen. «Auch Feldschlösschen-Kühlcontainer oder Coca-Cola-Schirme wird es keine geben», betont Tschopp. «Es ist zwar nicht möglich, das Mittelalter zu 100 Prozent nachzustellen, aber eine gewisse Qualität wollen wir bieten und so auch Wissen vermitteln.» Mit andern Worten: Reigoldswil plant eine Mittelalter-Version des Römerfestes in Augst.

Den regionalen Tourismus stärken

Mit der ersten Ausgabe will der Gemeinderat auf die Ruine Riefenstein aufmerksam machen und mit dem Ertrag aus dem Fest eine Anschubfinanzierung für deren Sanierung (die bz berichtete) erwirtschaften. Der Eintrittspreis wird 10 Franken betragen, für Kinder unter dem Schwertmass (138 cm) ist der Eintritt Frei und für «Gewandete» - das bedeute Mittelaltergewänder, nicht Fasnachtskostüme, betont Tschopp - die Hälfte. Wird das Fest mit seinem Markt mit rund 30 Attraktionen wie der Mittelalterband «Krless» aus Tschechien, den «Rittern der schwarzen Lanze», dem «Medicus und Gaukler Lutzelot» sowie den Handwerkern ein Erfolg, soll es künftig zur regelmässigen Attraktion werden. «Baselland Tourismus ist unser Partner und wird das Ruinenfest auch im süddeutschen Raum anpreisen», berichtet Tschopp.

Generalunternehmer engagiert

Da es in der Schweiz und in der Region bisher nur einzelne Gruppen, aber keine professionellen Mittelalterdarsteller gibt, hat Reigoldswil das deutsche Unternehmen «Kramer Zunft und Kurtzweyl» (KZK) als Generalunternehmer engagiert. Diese Truppe inszeniert Mittelalter-Spiele und Märkte im ganzen deutschsprachigen Raum. Am Reigoldswiler Ruinenfest-Wochenende tritt sie parallel auch in Marburg und Bochum in Aktion, an den folgenden Wochenenden in Düsseldorf und Berlin. Reigoldswil ist in diesem Jahr der einzige Auftritt in der Schweiz, KZK hat einen ähnlichen Anlass aber früher in Laufenburg organisiert.
«Kramer Zunft und Kurtzweyl versucht, Mittelalterspezialisten aus der Region einzubinden», erklärt Tschopp. Und am Fest sollen auch Vereine aus dem Dorf und Schulklassen - letztere vor allem im Zusammenhang mit dem einzuweihenden Sagenweg (siehe Text unten) - mitmachen. «Schliesslich ist es ein Volksfest, mit dem wir versuchen, für diese ländliche Region etwas zu tun.»

Sagenweg als Ausflugsziel
Anlässlich des Ruinenfests wird auch der rund 1,5 Kilometer lange Sagenweg mit 13 Stationen zu Figuren aus dem Sagenbuch von Paul Suter eröffnet. Lebensgrosse Figuren aus dickem Stahlblech werden auf Schrifttafeln
die Sagen erklären. Die Sage von der Hängebrücke von Riefenstein auf die Fluh vis-à-vis wird mit einem Wackelsteg dargestellt. Feuerstellen sollen den Sagenweg zum kinderfreundlichen Familienausflugsziel machen und Tafeln zu Fauna und Flora das durchquerte Naturschutzgebiet erklären. Finanziert wird der Sagenweg durch den Lotteriefonds des Kantons Baselland, «Jura 2010» der Stiftung Wasserfallen und die Gemeinde Reigoldswil.

 Quelle: Daniel Haller - BZ | Dienstag, 3. März 2009


Comments are closed.