Geschichte

Die Geschichte der Burg Rifenstein ist weitgehend unbekannt. In einer Urkunde des Klosters Schönthal wird um 1145 ein Ulrich von Rifenstein bezeugt, doch ist das Dokument von zweifelhafter Echtheit. Ob die Burg tatsächlich Stammsitz einer Familie von Dienstleuten der mächtigen Grafen von Frohburg war, wie in der älteren Forschung angenommen, muss daher offen bleiben. Die heute erkennbaren Mauerreste sind jedenfalls nicht ins 12., sondern erst ins 13. Jhdt. zu datieren.

ruinegross

Zwischen 1226 und 1237 wird eine adlige Familie von Reigoldswil urkundlich erwähnt, die als Besitzerin von Rifenstein in Frage käme. Doch wird als Stammsitz eher eine Wasserburg unten im Tal vermutet. Die Festung in den Felsen mit wohl nur bescheidenem Burggut könnte aber Eigengut einer Familie aus der Umgebung gewesen sein, was auch das Fehlen von schriftlichen Erwähnungen erklären würde. Seine Blütezeit erlebte Rifenstein im 13. Jhdt., als auf der Spitze des zerklüfteten Burgfelsens ein mächtiger Wohnturm mit einem maximalen Durchmesser von 16 Metern und einer Mauerstärke von rund 2 Metern errichtet wurde. Westlich unterhalb des Turms wurde Platz geschaffen, indem man zwei Felsspalten mit Mauern und Balken absicherte. Ein schmaler Zugang führte von hier zum kleinen Burghof auf der Ostseite, wo sich auch das äussere Tor befand.

Grundriss

Fundgegenstände von der Burg deuten darauf hin, dass sie ungefähr im Zeitraum von 1200 bis 1350 bewohnt war. Möglicherweise wurde sie wie viele andere Burgen in der Umgebung beim grossen Erdbeben von Basel 1356 zerstört. Freiherr Thüring von Ramstein gab 1394 das Burgstall Rifenstein zusammen mit dem halben Gericht zu Reigoldswil und Lauwil Herzog Leopold IV. von Österreich zu Lehen. Die Burg war damals also bereits unbewohnbar und zerfallen. Wie die Ramsteiner, deren Stammburg nur unweit von Reigoldswil lag, in den Besitz von Rifenstein gekommen waren oder ob sie gar als dessen Erbauer zu gelten haben, ist unklar.

1876 wurden auf der Burg erste Ausgrabungen unternommen. 1933 kaufte die Gemeinde Reigoldswil die Burg, deren Sanierung noch im selben Jahr vom Verkehrs- und Verschönerungsverein in Angriff genommen und bis 1936 fortgesetzt wurde.

 

Im Schweizerischen Inventar für Kulturgüter von nationaler und regionaler Bedeutung ist die Burg als Objekt von regionaler Bedeutung eingetragen.

 

(Quellen: MEYER, Werner. Burgen von A bis Z: Burgenlexikon der Regio. Basel 1981. S. 124-125. / ROTH, Carl. Die Burgen und Schlösser der Kantone Basel-Stadt und Basel-Land, II. Teil [Die Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. IVb]. Basel 1933. S. 90-92.)

 Modell Rifenstein

Baselbieter Sagen rund um die Ruine Rifenstein

Dietrich von Reifenstein

“Zur Zeit , da noch das Faustrecht galt, hauste auf Reifenstein ein Ritter, der böse Dietrich. Die Trümmer seines Schlosses liegen auf dem hohen Jurapasse Wasserfällen, in der Basellandschaft. In der Nähe von Wasserfällen zeigt man das Schelmenloch, eine berüchtigte Berghöhle, die ihre eignen Räubersagen zu erzählen hat. Alle Tage durchjagte Dietrich die Juraberge, und wenn er nachts noch so ermüdet heimkam, so vermochte auch die Bitte seiner Tochter Bertha nicht, die Leute vor seinen Wuthausbrüchen und Misshandlungen zu sichern. Giengen an Feiertagen die Reigoldswyler-Bauern, die damals noch keine eigene Kirche hatten, zum Gottesdienste ins Dorf Bretzwyl, so rief er nur um so lauter sein Hallo, liess alle Hunde los und sprengte auf dem rabenschwarzen Hengst über die Schlosshalde hinab in die unbehüteten Felder. Ross und Reiter, Hirsch und Hunde gieng so durch die Saaten. Ein aufgescheuchtes Reh flüchtete sich vor ihm in die dortige Hilariuskapelle, die gerade offen stand, weil eben der Priester die Jahrzeitenmesse hier las. Am Altare schützt es der Mönch gegen die anrennende Hunde-Meute, bis Dietrich eintritt und ruft: Behalt im Himmel deinen Platz, Lass im Wald mir meine Hatz; Lässt du deine Glocke plären, Lass ich auch mein Waldhorn hören. Und so fürchterlich er drauf ins Horn stiess, so gellend muss er bis heute durch die Gegend blasen, so oft ein Gewitter in der Nähe ist. Dann sieht man Ritterfräulein in sechsspännigen Wagen von der Ruine zum Kirchweg von Titterten hinab fahren.”

Die Rifenstein-Kutsche

“Dunkles Sagengewebe verbreitet sich über die Trümmer (des Schlosses Rifenstein).Wenn das Wetter sich ändern will, sieht man Fräulein und Edelleute in feurigem sechsspännigem Wagen umherzieh’n”. · “Zur Seite des Kirchweges, welcher von Titterten nach Reigoldswil führt, erhebt sich auf einem zackigen, einzeln stehenden Felsen die Burgruine von Reifenstein in romantischer Lage. Da mag vor Jahrhunderten auch ein frohes Leben in den Mauern gewesen sein. Aber die Zeiten ändern sich. Der Zahn der Zeit nagt übel an der ehemaligen Ritterwohnung. Aller Glanz und alle ehemalige Herrlichkeit ist dahin. Und doch kann dort alt und jung zu gewissen Zeiten noch gar Manches sehen. Wenn am blauen Himmelsgewölbe sich Wolken türmen und der Allmächtige von oben das Land wässern will, fahren aus den Mauertrümmern hoch zur friedlichen Sternenwelt empor Fräulein und Ritter in feurigem sechsspännigem Wagen. Das ist eine hehre Pracht. Alles glänzt und glitzert und funkelt wie köstliches Edelgestein. Aber sie ziehen nicht ein in die paradiesischen Gefilde des Himmels, wo die Seligen, nach einem Leben voll Mühe und Sorgen, ruhen in himmlischer Ruh. Eine Zeitlang fahren sie unter dem ubegrenzten Himmelsdom hin und her, dann kehren sie wieder in die Burgruine zurück.” · Eine alte Frau erzählte, sie sei einmal in den Rifenstein gegangen, um Himbeeren zu pflücken. Es war gegen Mittag, die Sonne schien heiss, kein Vöglein sang, und es war alles so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören. Aber wie es am Kirchturm zwölf Uhr schlug, fing es auf einmal an scharf zu wehen. Sie schaute in die Höhe, da sah sie das Wirbeln der Mäntel der Rifensteinritter in der Luft. Und im Holz jenseits des Baches hörte sie das Wiehern der Rosse

Schatzgräber auf Rifenstein

a) “In den Revolutionsjahren (um 1798) ward diesen Schätzen (auf Rifenstein) nachgewühlt, und das Christoffelgebet, um den Teufel zu bannen, wurde kräftigst ausgesprochen; aber ein paar eiserne Pfannenstiele und Topffüsse waren die ganze Bescherung des Menschenfeindes.

b) Ein Schatzgräber woIlte die obigen Sagen zu seinem Vorteil benutzen, und er fand leichtgläubige Mitarbeiter. Bald ertönte in stiller Mitternachtsstunde auf den alten Burgtrümmern das kräftige Christoffelgebet. Die Arbeit des Grabens ging rasch vorwärts. Als man auf einen harten Gegenstand stiess, glaubte man schon im Besitze des Schatzes zu sein. Voll Freude rief ein Bäuerlein aus: “Potz Hagel, da hämmer’s! Dem Geisterbanner blieb ein Drittel des Gebetes im Halse stecken; unwillig stampfte er mit dem Fusse und schrie: “Nei, du Kaib, jetz hämmer’s nüd!” Und damit zog er statt des erhofften Schatzes ein paar eiserne Pfannenstiele und Topffüsse aus der Grube. Das geschah vor nicht langen Jahren.

Der goldene Wagen auf Rifenstein

In Vollmondnächten soll eine Deichsel aus dem Burgfelsen herausragen. Wem es gelingt, mit zwei Ziegen den Wagen aus dem Felsen zu ziehen, ohne ein Wort zu sprechen und die Tiere anzutreiben, kommt in den Besitz des goldenen, mit Schätzen beladenen Wagens, den der Ritter bei einer Belagerung vergraben hat.

Die Hängebrücke beim Rifenstein

Zur Zeit, als die Burg noch bewohnt war, führte eine Hängebrücke über das Tal zum gegenüberliegenden Felskopf der Chline Baberte. Bei einer Belagerung der Burg seien die angreifenden Kriegsleute in grosser Zahl über die Brücke angestürmt, so dass sie unter der Last zusammenbrach.

Die Karfreitags-Erscheinung auf Rifenstein

a) “Am Charfreytag sonnet sich die ganze Gesellschaft (Fräulein und Edelleute vom Rifenstein), und legt viereckige Goldstücke auf mächtigen Tüchern an das Tageslicht.

b) “In ganzen Gesellschaften ergehen sie sich droben am Charfreitag im hellen Mittag, lauter Leute in uralter Tracht, und legen viereckige Goldstücke auf mächtig grosse Tücher in den Sonnenschein. Dies geschieht bei jenem grossen Fels, aus welchem die Reigoldswyler Hebamme alle neugeborenen Kinder hervorholt.

(Quelle: Nach dem Buch “Baselbieter Sagen” von Paul Suter und Eduard Strübin)